Olympiade in Informatik IOI'96

Vom 25. Juli bis 1. August fand in Veszprém, nicht weit vom Plattensee, die 8. Internationale Schülerolympiade in Informatik (IOI’96) statt. Mit Unterstützung der UNESCO wurde 1989 die erste IOI in Pravetz, Bulgarien, veranstaltet. Seitdem wird sie alljährlich von wechselnden Ländern ausgerichtet. Die Zahl der teilnehmenden Nationen wächst kontinuierlich von zunächst 13 auf derzeit 57. Wie bisher bei allen IOIs nahm auch diesmal ein deutsches Team teil, bestehend aus Uwe Bubeck, Mengen, Olaf Schnürer, Weingarten, Karsten Sperling, Mönchweiler, und Ralf Tönjes, Berlin. Teamleitung: Gabriele Reich, Bonn, und Günter Scheu, Pforzheim.

Auswahl der deutschen Mannschaft

Zur Auswahl der deutschen Mannschaft finden jährlich insgesamt 4 Vorbereitungslehrgänge statt. Dazu werden ca. 12 Endrundenteilnehmer des Bundeswettbewerbs Informatik aus dem Vorjahr eingeladen; außerdem werden bis zu 3 weitere Teilnehmer von Jugend forscht benannt. Alle Teilnehmer müssen im letzten Schuljahr, das vor der IOI endet, noch die Schule besucht haben und dürfen am Tag der Eröffnung nicht älter als 20 Jahre sein. Die Vorbereitungslehrgänge dauern zwischen 2.5 und 3.5 Tagen; sie finden an der Universität Bonn und im Internationalen Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik Schloß Dagstuhl statt. Während der Lehrgänge schreiben die Teilnehmer unter Olympiadebedingungen Testklausuren. Anhand der Klausurergebnisse werden nach dem 2. Lehrgang ca. 6 bis 7 Teilnehmer ermittelt, die zum 3. und 4. Lehrgang eingeladen werden. Dort werden ebenfalls Testklausuren geschrieben, nach denen die vierköpfige Mannschaft aufgestellt wird. Außerdem werden den Teilnehmern während der Lehrgänge diverse Informatikthemen und auch Problemlösungsstrategien vermittelt, teils durch Vorträge von Hochschuldozenten, teils durch die Teamleitung und ehemalige Teilnehmer.

Ablauf der IOI'96

Nach der Ankunft in Veszprém am 25.7. und der Eröffnung am 26. begann am 27. morgens um 8 Uhr der Ernst der IOI mit dem 1. Wettkampftag. Jeder Teilnehmer hatte einen 586er Rechner zur Verfügung, auf dem er die drei gestellten Aufgaben in 5 Stunden lösen mußte. Im Laufe des Nachmittags wurden die Ergebnisse anhand von bis dahin unbekannten Testdaten ausgewertet. Dazu wurde ein Testprogramm benutzt, auf das weder Auswerter noch Teilnehmer Einfluß nehmen konnten. Bevor am 29.7. wieder programmiert wurde, diente der 28. der Erholung und der Völkerverständigung in Form eines Badetages am Plattensee. Der 2. Wettkampftag lief genauso ab wie der 1., nur wurde es bei der Auswertung langsam spannend: Wer hat nun insgesamt wieviele Punkte? Und wieviele Punkte wird man wohl für welche Medaille brauchen? Zumindest die letzte Frage blieb bis zur Siegerehrung am 31. ungeklärt. Bis dahin nutzen die ungarischen Gastgeber die Zeit, ihren Gästen die Sehenswürdigkeiten der näheren Umgebung vorzustellen. Auch zu einer Schiffsfahrt auf dem Plattensee gab es Gelegenheit. Am 1. August wurden schließlich die Teilnehmer noch in Budapest im Parlament empfangen, bevor alle wieder die Heimreise antreten mußten.

Die Aufgaben

Seit 1994 werden die Aufgaben vom sogenannten wissenschaftlichen Komitee des Gastlandes entwickelt. Sie werden dann der Generalversammlung, die aus den Teamleitungen der teilnehmenden Länder besteht, vorgestellt, dort diskutiert und – eventuell mit kleinen Modifikationen – angenommen. Anschließend werden von den Teamleitungen Übersetzungen in die jeweiligen Muttersprachen angefertigt. Bei den Aufgaben handelte es sich diesmal zum Beispiel darum, eine unsortierte Folge der Ziffern 1, 2 und 3 mit der minimalen Anzahl Vertauschungen aufsteigend zu sortieren. Dies war die Aufgabe, die am häufigsten gelöst wurde. 74,7% aller Teilnehmer bearbeiteten die Aufgabe, davon erhielten etwa 2/3 die volle Punktzahl. Bei einer anderen Aufgabe ging es darum, an Werkstücken 2 verschiedene Arbeitsgänge ausführen zu lassen. Dazu standen mehrere Maschinen mit unterschiedlichen Kapazitäten zur Verfügung. Es mußte berechnet werden, welches die kürzest mögliche Zeit war, in der alle gegebenen Werkstücke bearbeitet werden können. Diese Aufgabe wurde nur von knapp 40% der Teilnehmer bearbeitet, und nur 7 Teilnehmer erreichten die Höchstpunktzahl. Interessant war die Aufgabe MAGIC: Hier war ein 2 ´ 4 Rechteck gegeben, in dem zunächst die Zahlen 1, 2, 3, 4 in der ersten Zeile, 5, 6, 7, 8 in der zweiten Zeile in dieser Reihenfolge standen. Daraus sollte nun eine vorgegebene Permutation der Zahlen erzeugt werden. Dazu waren nur 3 Operationen erlaubt, nämlich Vertauschen der beiden Reihen im Rechteck, zyklisches Verschieben aller Felder um ein Feld nach links und Rotieren der mittleren 4 Felder des Rechtecks. Jede mögliche Permutation der Zahlen läßt sich aus der Anfangskonfiguration mit höchstens 22 Operationen erreichen; es wurden aber auch Lösungen als korrekt gewertet, die ca. 140.000 Operationen benötigten. Zusatzpunkte gab es für alle Lösungen, die höchstens 300 Operationen benötigten. Hier erreichten immerhin 67 Teilnehmer die volle Punktzahl.

Ergebnisse

Es nahmen insgesamt 215 Jugendliche aus 57 Nationen teil. Darunter waren leider nur 3 Mädchen (2 aus den Niederlanden, 1 aus Mexiko). Insgesamt konnten 200 Punkte erreicht werden. An die Teilnehmenden wurden 20 Gold-, 36 Silber- und 52 Bronzemedaillen vergeben, wobei es Goldmedaillen ab 176, Silber ab 150 und Bronze ab 103 Punkten gab. Aus der deutschen Mannschaft gewann Karsten Sperling eine Silbermedaille, Olaf Schnürer gewann Bronze. Den von der International Federation for Information Processing (IFIP) gestifteten Wanderpokal für die beste Leistung aller Teilnehmenden gewann Daniel Kral aus Tschechien mit 196 von 200 möglichen Punkten. Am erfolgreichsten war China mit 4 Goldmedaillen, gefolgt von Rußland mit 3 Goldmedaillen. Insgesamt hatten die Länder der westlichen Hemisphäre nicht viel zu melden; von den 20 Goldmedaillen gingen 18 an Länder der östlichen Hemisphäre. Die beiden übrigen Goldmedaillen gewannen Österreich und Finnland.

Resümee

Insgesamt war die IOI’96 eine sehr gelungene Veranstaltung, obwohl man sowohl bei den Aufgabenstellungen als auch bei der Auswertung noch manches verbessern könnte. Aber das Ziel, insbesondere den Jugendlichen die Möglichkeit zu vielfältigen Kontakten zu geben, wurde sehr gut erreicht, zum Beispiel durch ein Stadtspiel gleich zu Beginn der Olympiade, aber auch durch diverse sportliche Aktivitäten während der gesamten Zeit. Wer Kontakte knüpfen wollte, hatte jedenfalls die Gelegenheit dazu. Alle Teilnehmer waren in Wohnheimen untergebracht, die in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsort lagen, so daß keine der ohnedies knappen Zeit für Transfers verwendet werden mußte. Dies machte das Leben sehr angenehm. Und sehr angenehm waren auch die kleinen Aufmerksamkeiten der überaus gastfreundlichen Ungarn. Auch die Organisation während der Exkursionen klappte so reibungslos, wie das nur möglich ist, wenn 350 Leute (die natürlich niemals alle pünktlich sind) auf 12 Busse verteilt werden müssen, die auch noch zu unterschiedlichen Zeiten zu unterschiedlichen Zielen aufbrechen. Kurz: Alle Beteiligten haben sich sehr wohlgefühlt und bedauerten, daß die IOI schon nach einer Woche zu Ende war.

Ausblick

Die nächste Olympiade wird Ende November 1997 in Kapstadt, Südafrika, stattfinden.
Und auch für die folgenden Jahre stehen die Ausrichter bereits fest: